Dieser Text stammt aus einer Holzkiste, die Krzysztof auf einem Flohmarkt (Moritzplatz) gekauft hatte. Zu seiner Überraschung enthielt sie einige mit Schreibmaschine geschriebene Notizen. Darunter fand sich auch dieser anonyme Reisebericht, der vermutlich in den 1980er Jahren verfasst wurde. Es handelt sich hierbei um einen Indien-Reise-Bericht, der von einem Teilnehmer einer Bus-Anhänger-Tour aufgeschrieben wurde.


Reise nach Indien, Teil II

Landschaft und Kultur

Sehr viel ist dazu nicht mehr zu sagen, nachdem ich schon einiges vorweggenommen habe. Die Halbinsel Südindien besteht im Wesentlichen aus einem Hochplateau, 800 m hoch, Dekkan genannt, aus dem immer wieder Inselberge und Bergzüge herausragen. Der Dekkan wird im Osten von den Ost‑Ghats, einer Hügelkette, begrenzt, dahinter durch tropische Dschungel, Wildreservate, mit herrlichen Ausblicken und üppigster Vegetation. In 1500 m Höhe gibt es viele Teeplantagen und Cardamon-Pflanzungen.

Die Bergdörfer machen einen gepflegten, wohlhabenden Eindruck und die Bevölkerung verhielt sich völlig anders ‑ reserviert, uninteressiert und würdevoll. Ootacamund ist wunderschön und hat ein angenehmes Klima. Hier war es auch, wo wir unsere Bettenlüftaktion veranstalteten und ich aus dringendem Bedürfnis nächtens pitschnass wurde. Leider kam auch an diesem Tag ein Gewitter mit heftigen Regenfällen und dicker Wolkenbildung, so dass wir bei der Abfahrt nach Mysore am nächsten Tag leider kaum Sicht hatten.

Am schönsten ‑ und erholsamsten ‑ war es in Mahabali Puram am Indischen Ozean (bei Madras) und Kovalam am Arabischen Meer (bei Trivandrum).

In Mahabalipuram waren wir drei Nächte in einer herrlichen, gepflegten Bungalow‑Anlage, stilvoll ein­gerichtet, direkt am Strand gelegen. Am ersten Abend hatte der Besitzer Stühle im Kreis an den Strand gestellt und lud uns zu einem Drink ein ‑ Kokosmilch mit Rum, die mit Strohhalm direkt aus der Kokosnuss getrunken wurde (die Trink-Kokosnüsse sind andere, als wir sie kennen). Da saßen wir die halbe Nacht bei tosender Brandung ‑ die Brandung war übrigens überall stark und das Meer warm wie Badewasser ‑ schauten in den Sternenhimmel und den Mond an, der in Indien am Himmel nicht steht sondern liegt. D.h. er nimmt von oben nach unten ab und von unten nach oben zu, nicht von rechts nach links. An den beiden weiteren Abenden hatten wir eindrucksvolle Erlebnisse: Einen indischen Zauberer, der wunderschön und poetisch zauberte und einen Mungo besaß

(Raubtier, das Brillenschlangen tötet) und sich streicheln ließ; und drei Tänzerinnen, die indische Tempeltänze ‑ den Bharata Natyam ‑ tanzten. Haltung, Gebärden ‑ besonders der Hände und Füße ‑, Augenbewegungen, Mimik zusammen mit Instrumentalmusik und Gesang drücken die Empfindungen oder Handlungen einer Gott­heit aus. Zorn, Trauer, Entzücken, Überraschung werden ebenso eindrucksvoll mimisch und gestisch dargestellt wie Hiebe, Kampf usw. ‑ ein begeisternder Abend in stimmungsvoller Atmosphäre. Zur Beherrschung dieser Tänze ist eine 10jährige Ausbildung notwendig.

Durch die östliche Tiefebene fuhren wir von Madras bis zur Südspitze, durch die westliche Küstenebene von der Südspitze bis nach Ootacamund, dem schönsten südindischen Bergort in 2300 m Höhe. Auf diese 2300 m Höhe mussten wir mit unserem 24 m langen Gefährt von Höhe 0 m über eine schmale Straße mit vielen engen Kurven und oft steil abfallenden Hängen hinaufjuckeln. Obwohl man gelegentlich ein unangenehmes Prickeln in den Füßen verspürte, war das eine hinreißende Fahrt. Um das Thema zu vervollständigen: In Cochin sahen wir den im Staat Kerala beheimateten Kathakali‑Tanz, unter nicht sehr glücklichen Umständen, aber dafür indien‑echt: heftiges Gewitter, strömender Regen, wir fanden den Eingang nicht, das Gebäude erwies sich als offen, die Moskitos stachen, der Strom war wieder einmal ausgefallen. Die Kathakali‑Tänzer tragen phantastischen Kopfschmuck, voluminöse, reich geschmückte Kostüme, sind meisterhaft und farbenfroh geschminkt. In den Tänzen werden Episoden aus den großen indischen Nationalepen dargestellt.

Auch in Kovalam, unserem zweiten Quartier direkt am Meer, war es wunderschön, breite Sandstrände, dichte Palmenwälder ‑ eine Traumlandschaft, wie man sie sich vorstellt. Ich habe viel gebadet, trotz Brandung, aber es war keine Erfrischung.

Nach Poona (Pune), kurz vor Bombay, hatten wir noch einmal eine etwas beängstigende, extrem steile Abfahrt zu bewältigen, mit etlichen um‑ und abgestürzten Lastwagen zu beiden Seiten. Übrigens besuchten wir in Poona den berühmt‑berüchtigten Ashram des "großen Bhagwan" Rajneeshdham, ein früher Philosophie-Professor der Universität Poona, der es verstanden hatte, zum Wohle seines Kontos, Zehntausende von Europäern mit seiner Lehre besoffen zu machen, bevor er sich mit seinen Millionen, seinen Gefolgsleuten und diversen Rolls Royce‑Autos in die USA absetzte. Aber es gibt in Poona noch immer ca. 60 ‑ 80 Verrückte, die die Stellung halten und sich allmorgendlich versammeln, um "die Vibrationen unseres Meisters" zu spüren. Sie luden uns dazu ein. Im ganzen Ashram tönte überall aus Lautsprechern die hypnotisierende Stimme des Erhabenen. Ich kenne etliche Leute in München, die vom großen Bhagwan sehr beeindruckt waren und in orangefarbenen Flattergewändern herumliefen, auch die Schauspielerin Eva Renz gehörte zu den Poona‑Anhängern, bevor sie die Nase voll kriegte und auspackte.

Aparte, nicht ganz angenehme Erlebnisse

Deren gab es eigentlich nur zwei: Am Anfang der Reise, in Bijapur, und am vorletzten Tag in Karla (ist auf der Landkarte nicht drauf, war unsere letzte Station vor Bombay).

In Bijapur machten wir einen ausgedehnten Abendspaziergang in die quirlige Stadt und auf den ebenso quirligen Markt. Plötzlich fiel der Strom aus, und alles war stockfinster. Auf der Straße fuhren Hunderte von Kleinstautos, Fahrrad‑Rikschas, Fahrräder ‑ die meisten ohne Beleuchtung - liefen Hunderte von Menschen, trotteten Kühe einher; das alles kreuz und quer durcheinander. Es klingelte und hupte und schrie, wir sahen faktisch überhaupt nichts und tasteten uns in dem irrsinnigen Gewimmel eine halbe Stunde in das Hotel zurück, das wir in der Dunkelheit fast nicht fanden. Nicht einmal Bus und Hänger konnten wir sehen, es war wirklich beklemmend.

Das war übrigens auch der Grund, weshalb wir immer so früh starteten. Nach Einbruch der Dunkelheit kann man in Indien nicht mehr fahren, es ist zu gefährlich, die Straßen sind voll gestopft von Menschen und Fahrzeugen aller Art in nicht verkehrssicherem Zustand.

Das zweite Ereignis begab sich in Karla. Dort gibt es einen Höhlentempel aus dem 1. Jahrhundert auf halber Höhe eines steil ansteigenden Berges. Schon von Weitem sahen wir eine Menge Busse, Massen von Menschen ‑ viele Tausende ‑ und ein riesiges Zeltlager am Berghang. Auch Mustafa wunderte sich, da sonst kein Mensch in dieser abgelegenen Gegend lebt. Wie wir nachher erfuhren, handelte es sich um ein hinduistisches Fest der Fischer, das bereits drei Tage andauerte. Etwa ein Dutzend der Reiseteilnehmer zog es vor, wegen des steilen Aufstiegs auf die Höhle zu verzichten und gleich ins Quartier zu fahren. Die restlichen zwanzig setzte der Busfahrer ab und versprach, uns zwei Stunden später abzuholen. Wir wuselten uns also durch die Menschenmassen und Zelte hindurch. Da wurden Kinder gewickelt und Reis gekocht und Hühner geschlachtet und seltsam eintönige Musikinstrumente gespielt - es war eine sehr turbulente, sehr farbenprächtige und sehr fremdartige Szenerie.

Die Gruppe verlor sich natürlich schnell in diesem Wirrwarr. Wir versuchten, quer über die Hänge gehend, eine schmale Treppe zu erreichen, die der Beginn des Aufstiegs war. Diese ganz enge Treppe war voll von hinauf‑ ­und herabströmenden Menschen, auf den niedrigen Mauern zu beiden Seiten kauerten dicht gedrängt Bettler, Krüppel und Leprakranke. Mir wurde angesichts der Hautnähe dieser Massen recht unbehaglich und ich wäre am liebsten umgekehrt. Immerhin waren wir eine Handvoll Weißer, die in das Fest tausender Hindus eindrangen. Trotz meines Unbehagens schubsten und drängten wir uns mit den Massen die Treppe hinauf und machten einige Aufnahmen (die natürlich hinreißend geworden sind). Plötzlich kam, unter Stampfen und Trommeln mit großer Geschwindigkeit ein Trupp junger Männer herauf, die auf ihren Schultern eine Götzenfigur trugen. In leichter Panik, dass sie uns über den Haufen rennen könnten, flüchteten wir über die Mauer in das Hanggelände. Da löste sich einer der jungen Leute aus der Gruppe, rannte auf uns zu und bewarf uns mit einem ganzen Beutel roter Kreidefarbe. Mein Haar war rot, das Kleid war rot, die offene Kamera war voll mit rotem Kreidestaub.

Nun muss ich dazu sagen, dass sich die Inder mit Kreidefarben in Rot, Gelb, Grün und Weiß oft Zeichen und Striche in die Gesichter malen. Das hat religiöse Gründe und die Farben haben ganz bestimmte Bedeutungen, aber sie tun das nicht „beutelweise“. Der rote Punkt, den die Frauen auf der Stirn tragen, hat allerdings kaum noch religiöse, eher eine modische Bedeutung. An sich ist das Pulver trocken und könnte theoretisch weggeblasen werden, aber in dieser Menge und in Verbindung mit der durchweg feuchten Haut färbt es nachhaltig. Jedenfalls hatte ich sofort rote Handflächen und Arme. Das war das Signal zu einem panikartigen Rückzug, wobei wir noch ein weiteres Mal mit diesem Zeug eingestaubt wurden. Ich bin heute überzeugt, dass es nicht Bösartigkeit, eher Übermut und Ausdruck von momentaner Überlegenheit über die Weißen gewesen war. Aber kann man in einer solchen Situation wissen, was in einer von religiöser Ekstase, Alkohol, Tieropfern und Trommelwirbeln seit drei Tagen aufgeputschten Masse passiert?

Wir rannten jedenfalls quer durch alle Zelte und Menschen den Hang hinunter ‑ Rosemarie in Absatzschuhen immer hinterher in der Angst, mich zu verlieren ‑ und zurück auf die Straße, wo wir auf den Bus warteten. Alle anderen, die nach uns herunter kamen, sahen noch viel schlimmer aus als wir, und ein Ehepaar, das tatsächlich die Höhle erreicht hatte, geriet in echte Bedrängnis und Panik und wurde schließlich von einem Polizisten nach unten eskortiert.

Wir mussten uns alle duschen, Haare, Kleider und die Wäsche waschen. Es war wie in einem Dracula‑Film ‑ rote Soße lief an uns herunter. Zum Unglück rann das Wasser spärlich, und es war so spät geworden, dass die Haare nicht mehr trockneten. Mustafa ungerührt: "Da haben Sie wenigstens etwas Besonderes erlebt, was bisher keine andere Reisegruppe erlebt hat". Wir hörten übrigens die ganze Nacht hindurch das Trommeln vom Berg.

Nun habt Ihr ganz viel zum Lesen gehabt, und manches hat Euch vielleicht gar nicht interessiert. Aber noch immer bin ich nicht zum Wichtigsten, Eindrucksvollsten, Schönsten dieser Reise gekommen: zu den Tempeln, deren Besichtigung ja ein wesentlicher Zweck unserer Reise und Reiseroute war. Warum ich diese Kleinodien buddhistischer, hinduistischer und jainistischer Religiosität und Kunst nicht an den Anfang stellte? Weil es so überwältigend war, dass ich nicht wusste, wie ich es anstellen sollte. Ich konnte meine Eindrücke nicht allein durch Bild und Fotografie vermitteln. Viele unerlässliche Hintergrundinformationen sind nötig, die nur kurz zu beschreiben mir Schwierigkeiten bereiten.

Trotzdem werde ich es demnächst versuchen ‑ auch deshalb, weil ich diesen Bericht nicht nur für Euch sondern auch für mich schreibe.

Die größte Faszination dieser Reise, die Begegnung mit dem Hinduismus ‑ seinen religiösen, künstlerischen, rituellen Ausdrucksformen - entzieht sich einem Reisebericht. Nur soviel: Der Hinduismus umfasst nicht nur die Glaubens‑ sondern auch die Lebensformen der Inder, also mehr als nur den religiösen Bereich und hat sicherlich tiefe Einsichten in das Geschehen dieser Welt. So will ich mich nur auf wenige Fakten beschränken:

Ca. 85 % der Bevölkerung sind Anhänger des Hinduismus und seiner ungemein zahlreichen Sekten. Der Buddhismus ist in Indien - und das ist ja sein Ursprungsland ‑ seit einem Jahrtausend so gut wie ausgestorben. Die Mohammedaner machen etwa 10% der Bevölkerung aus, das wären rund 75 Millionen, christlich sind 2% der Menschen, also immer noch etwa 15 Millionen. Der Jainismus hat etwa 1 1/2 Millionen Anhänger ‑ sein Wesen besteht in der absoluten Vermeidung von Gewalt gegen alle anderen Lebewesen. Dieser Schutz des Lebens wird von den in mönchischen Gemeinschaften lebenden Jains ganz rigoros durchgeführt: Sie tragen sogar ein Tuch vor dem Mund, um nicht versehentlich ein winziges Insekt zu verschlucken und fegen den Boden vor ihren Füßen, um kein Tierchen zu zertreten. Dass sie nicht Bauern werden können, sagte ich bereits. Bleiben wir gleich bei den Jains:

In Sravanabelgol, bei Hassan, befindet sich das Hauptzentrum der jainistischen Pilger. Dort steht auf einem Berg die 19 m hohe Kolossalfigur eines Jain‑Asketen, die im Jahre 930 aus einem einzigen Felsblock herausgearbeitet wurde und die größte Monolithstatue der Welt ist. 618 (in Worten: sechshundertundachtzehn) Stufen mussten wir bei glühender Hitze in dem völlig schattenlosen Gelände den Berg hinaufkeuchen. Ein Priester legte gerade Opfergaben auf die Füße des Heiligen ‑ ein winziges Männchen vor Riesenzehen.

Nach Aurangabad, der ersten Station unserer Reise ‑ fuhren wir wegen der buddhistischen Höhlentempel in Ajanta und Ellora. In Ajanta sind in einer halbkreisförmigen Schlucht in der Zeit von 200 v.Ch. bis 600 n.Ch. von buddhistischen Mönchen 30 Höhlen‑Heiligtürme und ‑Klöster auf einer Strecke von ca. 500 m in den Fels gemeißelt worden. Weltberühmt sind die Felsmalereien, die erhalten sind, weil sie vor Regen und Hitze geschützt waren. Neben den herrlichen Wandmalereien sind auch die riesigen Buddhafiguren beeindruckend, die teilweise im Innern der Heiligtümer stehen. Ein Inder warf mit einem großen Metallspiegel die Sonnenstrahlen in das Innere der Höhlen, so dass die Statuen erleuchtet wurden und wir gut fotografieren konnten. Die Höhlen wurden erst 1819 zufällig von britischen Soldaten entdeckt, nachdem sie über 1000 Jahre vergessen und ein Schlupfwinkel von Panthern, Kobras und Fledermäusen waren.

Nicht sehr weit davon entfernt gibt es in Ellora ebenfalls eine umfangreiche Anlage von über 30 Höhlentempeln auf einer Länge von 2 ½ km. Natürlich konnten wir nur wenige besichtigen, aber der berühmteste Tempel – der Kailasa-Tempel – ist einfach ungeheuerlich. Er gehört zu den schönsten Kulturdenkmälern in ganz Asien und ist der größte Monolithbau der Welt. Stellt Euch vor: hier wurde ein kompletter Tempel mit allen äußeren und inneren Formen in den Felsen übertragen, d.h. von oben nach unten freigelegt und gestaltet. Man rechnet, dass insgesamt etwa 200 000 Tonnen Steinmassen entfernt worden sind. Dieses geschah im 8. Jahrhundert. Durch die Entfernung des Felsengesteins ergab sich ein Hof von 100 m Länge und 40 m Breite, der auf drei Seiten von einem Kloster abgeschlossen ist. In der Mitte wurde ein riesiger, 33 m hoher Block ausgespart, der den Tempel bildet. Alle Bildhauerarbeiten wurden während der Freilegung ausgeführt. Da gibt es lebensgroße Elefanten, Götterfiguren, mythologische Figuren, Fabelwesen, Tiere, prachtvolle Reliefs mit Szenen aus den indischen Epen – es ist unglaublich.

Ich überspringe jetzt einige Orte – Bijapur, Ainhole, Pattadakal, Badami – weil es sinnlos ist, dass ich mich hier in ekstatischem Entzücken ergehe, ohne dass Ihr gleichzeitig die Bilder seht, und weil ich mich auf das beschränken möchte, was vielleicht auch für Euch eindrucksvoll ist.

Hampi war vom 14. – 16. Jahrhundert Hauptstadt des Vijayanagar Reiches und konnte dem Ansturm der Muselmanen bis 1565 standhalten. Dann verließ der Herrscher nach verlorener Schlacht mit allen Schätzen und Gefolge die Stadt, welche die Moslems völlig verwaist vorfanden. So wurde aus der seinerzeit glänzendsten Stadt Indiens ein Trümmerfeld, das 12 Quadratkilometer umfasst und sozusagen ein Freilichtmuseum südindischer Architektur ist. Hampi: das sind tote Steine, ein absolut geisterhafter Eindruck in einer bizarren Landschaft. Es gibt sehr gut erhaltene Gebäude, den berühmten Lotus‑Palast, das Bad der Königin, die Elefantenställe und einen herrlichen, riesigen Vishnu‑Tempel.

Ich übergehe wiederum Kanchipuram and Vellore.

Aber Mahabalipuram ‑ dort, wo wir drei Tage in dem wunderschönen Bungalow‑Hotel am Indischen Ozean verbrachten ‑ verdient noch Erwähnung. Das ist eine der schönsten archäologischen Stätten Südindiens. Da gibt es an einem Granitfelsen ein Flachrelief aus dem 7. Jahrhundert, mit 27 x 9 m das größte der Welt, das die Herabkunft des himmlischen Stroms Ganges darstellt, dem Menschen und Tiere huldigen. Und es gibt 5 so genannte rathausgroße Wagen, die monolithisch aus den Granitblöcken herausgearbeitet wurden. Aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts stammt der berühmte Strandtempel, der 20 m hoch ist und dessen Aufbau dem Weltberg Meru gleicht. Er entspricht damit den ägyptischen Pyramiden und den Stufenpyramiden des alten Mexiko, denen die gleiche Idee einer Nachbildung des Weltberges zugrunde liegt.

Im Staat Tamil Nadu ‑ nur dort ‑ sieht man oft auf freiem Feld Gruppen von Pferde-Skulpturen stehen. Hier hat sich der Kult lokaler Dorfgottheiten erhalten. Die Pferde gehören zum Gott Aiyanar, der nachts auf ihnen um das Dorf reitet und die bösen Geister verscheucht. Die Pferde, aus Ton, sind bis zu 2 m hoch.

Ich lasse wieder aus: Thanjavur und Srirangam.

Aber Madurai ist hochinteressant, weil es sich um eine gigantische Anlage im Ausmaß von 254 x 237 Metern handelt und um einen lebendigen Tempel. Er hat am Eingang 9 Türme, so genannte "Gopuras", bis zu 60 m hoch, übersät mit Darstellungen von Hindugottheiten und deren Inkarnationen. Der Tempel war am Nachmittag für den Gottesdienst geschlossen, wir konnten jedoch hinein, um zu fotografieren. Auch als der Tempel geöffnet war, konnten wir bleiben, aber nicht mehr fotografieren und wir durften auch das Innere der verschiedenen Heiligtümer nicht betreten. Der Tempel ist ein Labyrinth von riesigen, dröhnenden Gängen, einem Gewirr von Kurven, einem Wald von Pfeilern und halbdunklen, geheimnisvollen Winkeln und Nischen: "Der ganze Hinduismus mit seiner Dichte und Widersprüchlichkeit scheint hier verkörpert" schreibt der Reiseführer. Wir konnten eine Unzahl von Menschen bei ihren rituellen Verrichtungen vor den verschiedenen Schreinen und Götterbildern beobachten, es war alles sehr fremd und verwirrend.

Nochmals eilige Auslassungen und nur ein paar Worte noch zu den Tempeln in Halebid und Belur. Der Königstempel aus dem 12. Jahrhundert in Halebid hat mich fast am meisten beeindruckt, und zwar wegen seiner überwältigenden Schmuckfülle und wegen der vollendeten Harmonie zwischen Tempel und Landschaft. Um den ganzen Tempel herum, der auf einer erhöhten, sternförmigen Plattform steht, laufen Friese, die etwa 3 m hoch und reich mit Elefanten Löwen, Pferden, Kriegern geschmückt sind. Außerdem gibt es fast 300 große figürliche Darstellungen. Der Tempel ist unsagbar schön. Auch der Tempel in Belur ist überreich mit Ornamenten, Reliefdarstellungen und Skulpturen geschmückt, liegt aber nicht so schön wie Halebid. Generell ist von allen Tempeln zu sagen, dass sie hervorragend gepflegt und ganz sauber sind. Die Außenanlagen sind oft herrliche Gärten.

So bin ich am Ende meines Berichts. Am Anfang habe ich gesagt: "Er wird unzulänglich werden". Und so ist es: Mir ist wirklich ganz stark die Diskrepanz bewusst zwischen dem was ich erlebte, was mich bewegte und dem, was ich zu Papier brachte. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht sehr viel von dem Zauber dieser Reise, von dieser Begegnung mit einer anderen Geisteswelt Lebensweise und Vegetation habe einfangen können.

*Der Verfasser des Textes ist uns nicht bekannt.